Die Arbeitsgruppe über die MNR

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Die CIVS hatte im Dezember 2012 die Rückgabe von sechs Gemälden empfohlen und auf diese Weise an Seiten der staatlichen Organe und ausländischen Forscher entscheidend zu Auffindung und Identifizierung dieser Kunstwerke beigetragen. Bei der Rückgabezeremonie, an der Mitglieder der Kommission teilnahmen, kündigte die Ministerin für Kultur und Kommunikation die Gründung einer Arbeitsgruppe an, die der proaktiven Suche nach Eigentümern von MNR-Werken (“Musées Nationaux Récupération”, von Nazideutschland konfiszierte und nach dem Zweiten Weltkrieg wiedererlangte Kunstwerke) gewidmet sein wird, für die ein hoher Gewissheitsgrad vorliegt. Die Initiative wurde auf Vorschlag von Herrn Jean-Pierre Bady, Mitglied des Entscheidungskomitees der CIVS, ins Leben gerufen. Sie kam ebenfalls der von Frau Corinne Bouchoux, Senatorin und Berichterstatterin der Informationsmission des Senates über die enteigneten Kunstwerke (die Mission wurde im Namen der Kulturkommission des Senats zur Verbesserung des Rückgabeprozesses der während der Okkupationszeit enteigneten Werke geführt (Januar 2013)), vorgebrachten Forderung nach einem erneuten Ankurbeln der Rückgabedynamik nach.

Am 15. März 2013 erfolgte durch die Ministerin für Kultur und Kommunikation die Einberufung einer Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von Frau France Legueltel, Berichterstatterin der CIVS, die sich aus Museumskonservatoren, Mitgliedern der Archivstellen des frz. Außenministeriums und der Nationalarchive, Mitarbeitern der CIVS, einem Vertreter der Fondation pour la Mémoire de la Shoah (Stiftung für das Gedenken an den Holocaust) sowie einer Forscherin des Institut National d’Histoire de l’Art (Nationales Institut für Kunstgeschichte, INHA) zusammensetzt.

Die Arbeiten dieser Gruppe wurden von einem Steuerungsausschuss geleitet, der aus der Direktorin für die Museen Frankreichs, dem Präsidenten der CIVS, dem Generaldirektor der Fondation pour la Mémoire de la Shoah und dem Direktor der Archive des frz. Außenministeriums bestand.

In einem versuchsweisen Ansatz konzentrierte sich die Arbeitsgruppe auf eine Stichprobe aus 145 MNR-Werken, für welche die Untersuchungsmission über die Enteignung der Juden in Frankreich (“Mattéoli-Mission”) befunden hatte, dass die Enteignung mit hoher Wahrscheinlichkeit stattgefunden hat. Die Nachforschungen haben zur Identifizierung der Eigentümer von 27 Werken geführt.

Der Bericht wurde der Ministerin für Kultur und Kommunikation am 27. November 20141 vorgelegt. Ihm sind die Umstände der Bildung der Gruppe, ihre Tätigkeit und die angewendete Methodologie zu entnehmen. Er unterstreicht die Fortschritte, die aus ihren Arbeiten sowohl hinsichtlich des Ursprungs einer gewissen Zahl von Werken, welche die Stichprobe für die Recherchen bildeten, als auch bei der Bearbeitung der Unterlagen über die enteigneten Werke und den Archivbeständen zu verzeichnen sind.

Der Bericht ruft dazu auf, diesen Ansatz dauerhaft zu verankern und die jüngeren Generationen von Museumsmitarbeitern, insbesondere die Konservatoren sowie die Akteure des Kunstmarkts, für die Frage der Enteignung und die Erforschung der Herkunft der Werke zu sensibilisieren.

Darüber hinaus empfiehlt der Bericht, die Zuverlässigkeit der Suchinstrumente zu verbessern, einen Leitfaden für die Quellen und die Suche in den Enteignungs- und Rückgabearchiven herauszugeben sowie neue IT-Instrumente zu entwickeln.

Mit besonderem Nachdruck wird die Notwendigkeit der raschen Einleitung der Suche nach den Anspruchsberechtigten der ehemaligen Eigentümer betont, deren Identität durch die Arbeitsgruppe zweifelsfrei geklärt wurde. Hinsichtlich der 27 Werke, deren Eigentümer zum Zeitpunkt der Enteignung ermittelt wurden, wird die Suche nach den Anspruchsberechtigten mittels einer Partnerschaft in Form eines Mäzenatentums zwischen der Interministeriellen Stelle der Archives de France und der Vereinigung professioneller Familienforscher erfolgen.

Auf die Schlussfolgerungen folgten bereits konkrete Schritte: bei Übergabe des Berichts gab die Ministerin für Kultur und Kommunikation bekannt, dass sie eine Fortführung der Arbeiten der Gruppe wünscht. Weiterhin greift der im Dezember 2014 von Isabelle Attard im Namen der Kommission für Kultur- und Bildungsangelegenheiten der französischen Nationalversammlung2 vorgelegte Informationsbericht Nr. 2474 eine gewisse Zahl von Vorschlägen der Gruppe auf. Nicht zuletzt hat der interministerielle Ausschuss der Archives de France 2012 (geschaffen durch den Erlass Nr. 2012-479 vom 12. April 2012) in seiner Sitzung vom 29. Januar 2015 beschlossen, den Leitfaden für die Suche in den Enteignungs- und Rückgabearchiven auf den neuesten Stand zu bringen.


Organisation und Methoden der Arbeitsgruppe


Innerhalb der MNR können die Werke in drei Kategorien aufgegliedert werden: Werke, die mit Sicherheit oder hoher Wahrscheinlichkeit Gegenstand einer Enteignung waren; Werke, für die eine Bestimmung der Eigentumshistorie nicht möglich war; Werke, die nicht aus einer Enteignung stammen. Auf Grundlage der von der CIVS vorgeschlagenen Methodologie hat die Gruppe mit einer Stichprobe aus 85 MNR-Werken gearbeitet, für die feststand oder stark angenommen wurde, dass eine Enteignung erfolgt war und die zugehörigen Notizen Auswertungen zuließen.

Durch diese Arbeiten konnten die spezifischen, der Provenienzforschung gewidmeten Kompetenzen und Ressourcen der einzelnen Abteilungen zusammengelegt werden. Die einander ergänzenden Werdegänge und Fachkenntnisse der Mitglieder der Arbeitsgruppe haben eine Erweiterung der einzelnen Standpunkte bewirkt.

Die Nachforschungen wurden entsprechend der Art des Datenmaterials in mehrere Etappen gegliedert:

  • Die vor Ort erfolgende Einsicht in die entsprechenden Archivbestände: die Archive der Mattéoli-Mission über Kunstgegenstände (Nationalarchive); die Werklisten (nur in den Pariser Museen); die Bestände der Commission de récupération artistique (Kommission für die Wiedererlangung von Kunstwerken) und des Office des biens et intérêts privés (Büros für private Güter und Interessen)(Frz. Ministerium für äußere Angelegenheiten und nachhaltige Entwicklung in La Courneuve); die Archive des Bundesrückerstattungsgesetzes in Berlin.
  • Die Abfrage der entsprechenden Datenbanken: Rose Valland-MNR; ERRproject; Lostart; die Datenbanken anderer Organisationen, etwa des United States Holocaust Memorial Museum in Washington.
  • Die Auswertung der CIVS-Datenbank durch ihre Forscher.
  • Die Untersuchung anderer möglicher Quellen: Verkaufskataloge, Werkverzeichnisse, Schenkungsverzeichnisse, Listen des Zolls, etc.

Die Ergebnisse wurden übermittelt und im Rahmen monatlicher Vollversammlungen besprochen.