Auslandischen Gedenkstätten

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Gedenkstätten in Deutschland

Dachau

(cc)Erik Drost
Am 20. März 1933 ordnete Himmler den Bau eines Konzentrationslagers in der Nähe von Dachau im Umland von München an. Dachau war das erste NS-Konzentrationslager. Es diente zugleich als Vorlage für die anderen Konzentrationslager und als Ausbildungsort bzw. “Schule der Gewalt” für die SS. Wo die ersten Häftlinge noch zu einem großen Teil Gegner des nationalsozialistischen Regimes waren, kam im Laufe der 1930er-Jahre eine stetig steigende Zahl von verfolgten Bevölkerungsgruppen hinzu: Juden, Zeugen Jehovas, Mitglieder der Sinti und Roma, Homosexuelle. Am 9. November 1938 wurden vor dem Hintergrund der “Kristallnacht” 10.000 Juden nach Dachau deportiert. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs und der Ausdehnung der Besatzungszonen wurden weitere Gegner des Nationalsozialismus inhaftiert, die sich der Zusammenarbeit widersetzt hatten. Auch zahlreiche Widerstandskämpfer, etwa Edmond Michelet und Joseph Rovan, wurden nach Dachau deportiert. Ab November 1942 begann die massenhafte Deportation von in Dachau inhaftierten Juden nach Auschwitz. Wie in den anderen NS-Konzentrationslagern mussten die Häftlinge auch hier Zwangsarbeit leisten. Es wurden zwei unterirdische, vor Bomben geschützte Fabriken gebaut: von Juni 1944 bis April 1945 arbeiteten hier unter sklavenähnlichen Zuständen 30.000 Häftlinge, die der sichere Tod erwartete. In dem Lager, das aufgrund der entmenschlichten Lebensumstände bereits eine hohe Sterberate verzeichnete, fielen mehrere tausend Häftlinge einer Typhusepidemie zum Opfer. Am 26. April 1945 – zwei Tage, bevor die SS das Lager verließ – wurden 7.000 Häftlinge auf einen “Todesmarsch” geschickt. Am 29. April befreite die amerikanische Armee die rund 30.000 Häftlinge, die im Lager geblieben waren. Zwischen 1933 und 1945 waren nahezu 200.000 Menschen in Dachau interniert worden. Mehr als 41.500 wurden durch Zwangsarbeit, pseudo-medizinische Versuche und die entmenschlichten Lebensumstände im Lager ermordet.

Auf Betreiben ehemaliger Deportierter, die das ‘Comité International de Dachau’ bilden, wurde 1965 am Standort des ehemaligen Konzentrationslagers eine Gedenkstätte errichtet, die insbesondere ein Dokumentationszentrum beherbergt. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde die Gedenkstätte zugleich zu einem wichtigen Ort des Gedenkens und einem Raum, wo das politische Bewusstsein geweckt werden soll. Der Zeitraum 1996-2003 überspannt den Entwurf und die Umsetzung der Dauerausstellung “Weg der Häftlinge”.

www.kz-gedenkstaette-dachau.de

Sachsenhausen

©civs
Das Lager wurde in der Gemeinde Oranienburg rund dreißig Kilometer nördlich von Berlin zum Zeitpunkt der Neuorganisation des NS-Konzentrationslagersystems errichtet. Wie Dachau diente auch das Lager Sachsenhausen gleichzeitig als Organisationsvorlage für andere nationalsozialistische Konzentrationslager und als SS-Ausbildungszentrum. Zwischen 1936 und 1945 wurden in Sachsenhausen 200.000 Menschen 40 unterschiedlicher Nationalitäten inhaftiert. Mehr als die Hälfte starben an diesem Ort, die überwiegende Mehrheit davon politische Häftlinge. 1944 waren 90 % der Häftlinge Ausländer. Die Häftlinge leisteten zunächst Zwangsarbeit in Unternehmen, die direkt von der SS verwaltet wurden. Die Zwangsarbeit in den rund 100 Außenlagern, die zu Sachsenhausen gehörten, nährte die deutsche Kriegswirtschaft. Am Rande der Baustellen, wo die Häftlinge unter unerträglichen Bedingungen zu arbeiten hatten, bis sie vor Erschöpfung starben, nahm die SS insbesondere unter den jüdischen Häftlingen summarische und gezielte Hinrichtungen vor. Im Winter 19391940 schnellte die Sterblichkeitsrate im Lager, wo Hunger, Epidemien, Erschöpfung und die pseudo-medizinischen Versuche den massiven und programmierten Tod der Häftlinge verursachten, in die Höhe. Kurz vor der Befreiung des Lagers durch die sowjetischen Truppen am 22. April 1945 schickten die SS nahezu 33.000 Lagerinsassen auf den “Todesmarsch”, bei dem 6.000 Deportierte umkamen.
Zwischen 1945 und 1950 verwendete die sowjetische Verwaltung das Lager zur Inhaftierung nationalsozialistischer Häftlinge sowie generell zur Inhaftierung von Gegnern des entstehenden Regimes.

Nach dem Rückzug der sowjetischen Truppen und der Unterbringung der ostdeutschen Polizei wurde am 22. April 1961 eine Gedenkstätte eingeweiht, die den “Sieg des Antifaschismus über den Faschismus” symbolisiert. Später wurde eine den jüdischen Opfern von Sachsenhausen gewidmete Ausstellung in der ehemaligen Baracke Nr. 38 eingerichtet. Seit 1993 gründet die Gedenkstätte auf einem dezentralen Konzept: die verschiedenen Mechanismen und Systeme, die das Lager und das Leben der Häftlinge bestimmten, werden an den ursprünglichen Orten, in den verbleibenden Bauwerken oder an den Standorten von damals, gezeigt und erklärt – dort, wo das Grauen stattfand.

www.stiftung-bg.de

Ravensbrück

(cc)Eric Gilliland
Zwischen Mai 1939 und Ende April 1945 wurde der Komplex Ravensbrück von den Nationalsozialisten zugleich als Konzentrationslager und zur Zwangsarbeit betrieben. Das Lager Ravensbrück war zusammen mit Auschwitz-Birkenau das größte Lager für Frauen: bis zu 123.000 Personen, darunter 8.000 Französinnen, wurden an diesem Ort gefangen gehalten, bis zur Erschöpfung zur Arbeit gezwungen, gefoltert und wie Sklaven gehalten. Im April 1941 wurde am gleichen Standort außerdem ein Lager für Männer gebaut, in dem 20.000 Häftlinge untergebracht wurden. Zwischen 1939 und 1942 wurde das Sklavenarbeitssystem des Lagers vor allem in der Textilindustrie und der Landwirtschaft, gleichzeitig aber auch in den knapp zwanzig Hallen, die Siemens am Rande des Lagers gebaut hatte, genutzt. Im April 1943 erfolgten die ersten massiven Deportationen aus Frankreich. Zwischen 1943 und 1944 wurde Ravensbrück zu einer Zeit, als die groß angelegten Deportationen zunahmen, zu einem Knotenpunkt des NS-Lagersystems. Die Aufnahmekapazitäten wurden um ein Vielfaches überschritten, wodurch sich die Haftbedingungen rasch weiter verschlechterten. Die Sterblichkeitsrate des Lagers schnellte in die Höhe. Dies bewirkte die Einleitung der ersten “Auswahlverfahren”: als arbeitsunfähig befundene Frauen wurden gezielt ermordet. In den letzten Kriegsmonaten wurde eine Gaskammer errichtet und die systematische Vernichtung begann auch in Ravensbrück. Von den 26.000 Opfern des Lagers wurde fast die Hälfte in den letzten Kriegsmonaten ermordet.

Die von ehemaligen Lagerinsassen in der direkten Nachkriegszeit ersonnene Gedenkstätte des Lagers Ravensbrück wurde am 12. September 1959 in der DDR eingeweiht; als Vorlage diente die dem Widerstand der kommunistischen Häftlingen gewidmete Gedenkstätte Buchenwald, der Rest des Komplexes wurde von der sowjetischen Armee und später den Streitkräften der GUS-Staaten genutzt. Die Renovierung der Dauerausstellung war von der Schaffung von Ausstellungsräumen in Gedenken an die jüdischen Opfer (1992) sowie die Opfer aus der Gemeinschaft der Sinti und Roma (1995) begleitet. 2013 wurde eine weitere interaktive Dauerausstellung eingeweiht: “Das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Geschichte und Erinnerung

www.ravensbrueck.de

Buchenwald

(cc)Wim van der Grinten
Das Hauptlager wurde am 15. Juli 1937 in der Umgebung von Weimar gebaut. Im Lager Buchenwald, das zunächst der Inhaftierung von Gegnern des NS-Regimes, gewöhnlichen Verbrechern, als “asozial” verurteilten Menschen, Homosexuellen und Zeugen Jehovas diente, wurden bei Anbruch des Zweiten Weltkriegs auch jüdische Häftlinge sowie Sinti und Roma gefangen gehalten. Im Anschluss an die Pogrome und Enteignungen, die in Deutschland während der “Kristallnacht” am 9. November 1938 stattfanden, wurden nahezu 10.000 Juden nach Buchenwald deportiert und bildeten dort die Gruppe an Häftlingen, die Bestrafungen, Folter und dem Tod am stärksten ausgesetzt war. Nach Anbruch des Krieges wurde Buchenwald zu einem zentralen Punkt des nationalsozialistischen Konzentrationslagersystems und einem Ort, an dem die massenhaften Deportationen aus ganz Europa und insbesondere Frankreich zusammenliefen. In Buchenwald wurden zahlreiche Politiker wie Léon Blum, Akademiker wie Maurice Halbwachs oder Widerstandskämpfer wie Stéphane Hessel inhaftiert. Mehr als 250.000 Häftlinge waren am Hauptstandort Ettersberg sowie in den 136 Nebenlagern untergebracht. Die SS-Aufseher zwangen die Häftlinge zur Arbeit in den Rüstungsfabriken und den Steinbrüchen, die sich am Rande des Lagerbereichs befanden. Über 56.000 Menschen starben an den Folgen der pseudo-medizinischen Versuche. Das Lager Buchenwald wurde im April 1945 von den amerikanischen Truppen befreit.

Die “Nationale Mahn- und Gedenkstätte (NMG) Buchenwald” wurde 1958 als nationale Gedenkstätte der Deutschen Demokratischen Republik eingeweiht, die zuvorderst den kommunistischen Häftlingen gewidmet war. Nach der Wiedervereinigung entstand angesichts des Auslassung zahlreicher anderer Häftlingskategorien, die in Buchenwald zu Tode gefoltert oder ermordet wurden, eine Kontroverse: Es musste auch jener Häftlingen gedacht werden, die aus “Rassengründen” (Juden, Sinti, Roma) inhaftiert, als “asozial” oder Zeugen Jehovas verurteilt wurden oder wie die Frauen in den Rüstungsfabriken Zwangsarbeit leisteten. Die Neuauslegung des Gedenkkonzepts von Buchenwald erfolgte in den 1990er-Jahren und beruhte insbesondere auf der Sanierung mehrerer Gebäude, der Hervorhebung der Vielfalt der inhaftierten Gruppen, der Betrachtung der Art und Weise, wie das Gedenken an Buchenwald in der DDR behandelt wurde sowie dem lange Tabu gebliebenen “Speziallager Nr. 2”, das in der Nachkriegszeit von der sowjetischen Besatzung als Internierungslager genutzt wurde.

www.buchenwald.de/

Neuengamme

(cc)Tobias HH
Die Zwangsarbeit wurde ab 1936 in den NS-Konzentrationslagern systematisch eingesetzt. Die KZ wurden in der Nähe von Steinbrüchen oder Fabriken errichtet. Dies galt auch für Neuengamme, das zwischen 1938 und 1940 ein “Außenlager” von Sachsenhausen war und später zu einem der größten Lager im nationalsozialistischen KZ-System wurde. Zwischen 1938 und 1945 wurden 105.000 Männer und Frauen unterschiedlicher Nationalitäten im Konzentrationslager Neuengamme im Süden Hamburgs inhaftiert. Zum Hauptlager gehörten 80 Außenlager, von denen 20 den Frauen vorbehalten waren. Mehr als 13.000 Häftlinge waren Juden. Ungefähr 11.500 Häftlinge stammten aus Frankreich. Über 55.000 Menschen starben an den Folgen unmenschlicher Lebensbedingungen, durch die Willkür der SS oder durch die medizinischen Experimente. Die Stadt Hamburg wollte sich als ostseenahes Schaufenster des Reichs profilieren. Folglich mussten die Elbufer im Stadtteil Altona im Rahmen hochtrabender Architekturprojekte vollständig erneuert werden – und ermöglichen sollte das Projekt die von den Häftlingen aus Neuengamme geleistete Zwangsarbeit. Der Befreiung des Lagers ging eine letzte Tragödie voraus: am 3. Mai 1945 bombardierte die britische Luftwaffe versehentlich die Schiffe, auf denen sich die Häftlinge aus Neuengamme befanden, nachdem diese in einem Todesmarsch zum Hafen von Lübeck getrieben worden waren; fast alle der auf den Booten dem Angriff hilflos ausgelieferten Häftlinge starben.

Im Jahr 1965 wurde am Standort des Lagers das erste Mahnmal für die vielen tausend Opfer von Neuengamme errichtet. 1981 nahm die Gedenkarbeit eine entscheidende Wende mit der Einweihung eines großen Dokumentationszentrums über die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Seit 2005 birgt die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Neuengamme eine Dauerausstellung über die Geschichte des Lagers und seine Funktionsweise. Die Gedenkstätte wurde insbesondere auf das ehemalige SS-Lager und die Erklärung der Zwangsarbeit innerhalb der verschiedenen Industriekomplexe ausgeweitet, die von dem Lager abhängig waren.

www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/

Bergen-Belsen

(cc)Franklin Heijnen
Das Lager Bergen-Belsen befand sich 40 km vor Hannover im Norden Deutschlands. Es diente hauptsächlich der Inhaftierung von Kriegsgefangenen. 1940 war in dem Lager eine große Zahl französischer und belgischer Häftlingen inhaftiert. Die 1941 erfolgte Vergrößerung des Lagers sollte die Deportation von Gefangenen der Ostfront zu ermöglichen. Bis 1942 starben nahezu 18.000 Häftlinge bzw. 92 % der Lagerinsassen an Hunger, Kälte oder Krankheiten. Im Herbst 1941 wurden die jüdischen Häftlinge systematisch “selektioniert” und in das Lager Sachsenhausen verschickt, wo sie in den meisten Fällen mit einer Kugel in den Hinterkopf erschossen wurden. Nur einige wenige wurden als “Austauschjuden” als Geiseln am Leben gelassen, um gegen deutsche Kriegsgefangene ausgetauscht zu werden. Zum Schluss konnte nur eine kleine Minderheit von rund 6.000 Juden in Bergen-Belsen befreit werden. Im Laufe der Jahre verschlechterten sich die Lebensbedingungen drastisch, insbesondere mit der Ankunft immer weiterer Häftlinge aus Auschwitz, Buchenwald, Ravensbrück und Mauthausen. Es wurde ein Krematorium errichtet. Im November 1944 zählte das Lager 15.000 Insassen, im April 1945.waren es bereits 60.000. In diesem Zeitraum kam es durch die Übervölkerung des Lagers zu mehreren Epidemien, unter anderem Typhus: sie kostete 35.000 Menschen das Leben, darunter Anne Frank und Hélène Berr. Bevor das Lager am 15. April 1945 von der britischen Armee befreit wurde, starben Tausende von Insassen bei “Todesmärschen”. Die britischen Soldaten entdeckten 56.000 ausgehungerte und kranke Insassen sowie 10.000 Leichen, die auf dem nackten Boden lagen. Drei Monate nach der Befreiung des Lagers waren weitere 13.000 ehemalige Deportierte an den direkten Folgen ihrer Deportation verstorben. Von den rund 125.000 Deportierten, die Bergen-Belsen erreichten, haben ungefähr 70.000 nicht überlebt. Unter den Überlebenden waren Simone Veil und Jean Mattéoli. Letzterer übernahm 1997 die Leitung einer Untersuchungsmission über die Enteignung der Juden aus Frankreich im Zeitraum 1940 bis 1944, die im Anschluss die Einrichtung einer Entschädigungsmission empfahl, die in der CIVS umgesetzt wurde.

Ab 1945 wandelte sich der Ort des Gemetzels zu einem Ort des Gedenkens: die jüdischen Überlebenden errichteten ein Mahnmal für ihre Verstorbenen. Zwischen 1946 und 1947 bauten die deutschen Kriegsgefangenen die zukünftige internationale Gedenkstätte Bergen-Belsen mit ihre 24 Meter hohen Obelisken. 1966 wurde das erste Dokumentationszentrum mit Dauerausstellung gebaut. 2007 wurde ein neues 200 m² großes Gebäude für eine umfassende und überarbeitete Ausstellung eingeweiht.

bergen-belsen.stiftung-ng.de/

Neue Wache

(cc)Luis Villa del Campo
Die Neue Wache ist die “Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft”. Sie wurde zwischen 1816 und 1818 in Gedenken an die Gefallenen der Befreiungskriege errichtet und befindet sich im Zentrum Berlins an der Straße Unter den Linden zwischen dem Deutschen Historischen Museum und der Humboldt-Universität. Im Laufe der Zeit und mit wechselnden Machthabern war die Neue Wache der Schauplatz verschiedener, oft gegensätzlicher Auslegungen des Gedenkens. In der NS-Zeit baute der Architekt Heinrich Tessenow das Denkmal in eine Gedenkstätte für die Opfer des Ersten Weltkriegs um: ein durch eine kreisförmige Öffnung in der Decke dringender Lichtstrahl fiel auf einen bloßen schwarzen Granitblock. Während der NS-Zeit war die Neue Wache der Schauplatz von Propaganda-Veranstaltungen und wurde später durch Bombenangriffe zerstört. Die Regierung der DDR stellte die Gedenkstätte wieder her und widmete sie den “Opfern von Faschismus und Militarismus”. Über der Asche eines unbekannten Soldaten und eines KZ-Insassen brannte eine ewige Flamme. Im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung regte Bundeskanzler Helmut Kohl die Renovierung der Gedenkstätte an, die im Zuge dieser Arbeiten vergrößert wurde. Im Zentrum des einzigen, ansonsten leeren Raums steht in einem Lichtkegel eine Pietà von Käthe Kollwitz – eine Mutter, die ihren ermordeten Sohn in den Armen hält – und verleiht dem Gedenksymbol der Neuen Wache ihre Konturen mit der Verkörperung der steten Rückkehr der Tragödie, die Krieg und Tyrannei verursachen.

Denkmal für die ermordeten Juden Europas

(cc)Jean-pierre Dalbéra
Das von dem New Yorker Architekten Peter Eisenman gebaute Denkmal für die ermordeten Juden Europas wurde in Gedenken an die mehr als sechs Millionen, von den Nationalsozialisten ermordeten Juden am 10. Mai 2005 in Berlin eingeweiht. Das Denkmal nahe des Bundestags und des Brandenburger Tors erstreckt sich unter freiem Himmel über 19.000 m². 2.700 Betonsäulen bilden ein hügeliges Labyrinth. Die zwischen den Säulen wandelnden Besucher und sind mit der Berührung des Betons und den wechselnden Höhen der Architektur konfrontiert. Durch die Anregung der Suggestion und die direkte Konfrontation mit dem rohen Werkstoff bricht das Denkmal für die ermordeten Juden Europas mit den klassischen Denkmalskonzepten und fordert, nicht ohne Gegenstimmen, ein Nachdenken über den Begriff des Gedenkens heraus. Ein dem Denkmal angeschlossenes Informationszentrum beherbergt eine Dauerausstellung, die die Geschichte der Verfolgung und des Genozids der Juden in Europa nachzeichnet.

www.stiftung-denkmal.de/startseite.html

Gedenkstätten in Polen

Auschwitz

(cc)Adam Tas
Oświęcim (z. dt. Auschwitz ) liegt 60 Kilometer westlich von Krakau in Oberschlesien, einer Region, die 1939 von Nazideutschland nach der Eroberung Polens annektiert wurde. Im April 1940 beschließen die Deutschen den Bau eines Konzentrationslagers. Das ursprünglich als Durchgangslager für die politischen Gefangenen aus Polen geplante Lager wurde rasch zu einem definitiven Internierungslager.
Ein Jahr nach seiner Schaffung zählte das Lager 11.000 Insassen. Heinrich Himmler, deutscher Innenminister, Chef der SS, später der Gestapo und Verantwortlich für die Organisation des KZ-Systems, beschließt 1941 die Vergrößerung des Standortes. Diese Arbeiten machen Auschwitz zum größten Konzentrationslagerkomplex und größten Vernichtungslager des Dritten Reichs.
Der Komplex besteht aus dem für 20.000 Insassen gebauten Hauptlager (Auschwitz I), dem Lager Birkenau (Auschwitz II) für 100.000 Insassen und dem Lager Buna-Monowitz (Auschwitz III), das eröffnet wurde, um die Arbeitskräfte für die Herstellung von Gummi und deutschem synthetischen Benzin in den umliegenden Werken zu liefern. Die ersten Vergasungen von Häftlingen erfolgten im Dezember 1941. Die zunächst in Massengräbern beerdigten Leichname wurden anschließend ab dem 2. Quartal 1943 in vier Krematorien verbrannt.
Insgesamt sind 1,1 Millionen Männer und Frauen aus 15 europäischen Ländern, darunter 90 % Juden (69.000 aus Frankreich) in den Gaskammern gestorben; mehrere Zehntausend Insassen haben das Leben durch Hunger, Kälte, Krankheit, Brutalität, Erschießung oder Erhängung verloren.
Darüber hinaus war Auschwitz der Schauplatz von pseudo-wissenschaftlichen Experimenten, die insbesondere die Sterilisation von Männern und Frauen, angebliche Studien über Zwillinge, Säuglinge und Zwergwüchsige betrafen.
Am 18. Januar 1945 lassen die Deutschen vor dem Eintreffen der Roten Armee das Lager räumen. 60.000 Häftlinge werden zu einem “Todesmarsch” gezwungen, in dessen Verlauf eine große Zahl erfriert oder an Erschöpfung stirbt. Am 27. Januar 1945 dringen die sowjetischen Soldaten in Auschwitz ein und befreien rund 7.000 kranke und erschöpfte Überlebende.

Das im Juli 1947 eingeweihte Nationalmuseum Auschwitz-Birkenau ist eine Gedenkstätte der Lager Auschwitz I und Auschwitz II. Die 1979 in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommene Gedenkstätte empfängt jedes Jahr eine Million Besucher. Sie ist heute die am meisten besuchte kulturelle Einrichtung Polens.

auschwitz.org/en/

Belzec

(cc)Thorbjörn
Das am 1. November 1941 eröffnete Lager Belzec bildet zusammen mit Sobibor und Treblinka die drei Lager, die im Rahmen der Aktion Reinhardt dazu gebaut wurden, alle Juden, Roma, Sinti und Jenische im Generalgouvernement Polen vollständig zu vernichten.
Von März bis Dezember 1942 werden in Gaskammern, die zuerst aus Holz, dann aus Ziegel und Beton bestanden, 500.000 überwiegend Menschen jüdischen Glaubens ermordet.
Ende 1942 war die jüdische Bevölkerung des Generalgouvernements fast vollständig vernichtet. Der weitere Betrieb der Lager Belzec, Sobibor und Treblinka war somit nicht mehr erforderlich. Im Frühling 1943 werden die Leichname der Opfer ausgegraben und unter freiem Himmel verbrannt. Danach wurde das Lager zerstört und vor der Ankunft der sowjetischen Truppen 1944 in einen landwirtschaftlichen Betrieb umgewandelt.

Das Museum und Mahnmal Belzec wurde 2004 gegründet. Es ist dem Museum von Majdanek angeschlossen und umfasst eine Dauerausstellung über die Geschichte des Ortes sowie ein Denkmal, das am Standort des ehemaligen Lagers errichtet wurde.

www.belzec.eu

Sobibor

(cc)Emmanuel Dyan
Wie die Lager Belzec und Treblinka ist Sobibor Teil der Aktion Reinhardt. Der Bau des Lagers beginnt im März 1942. Zwischen 1942 und 1943, werden in den Gaskammern, deren Existenz durch kürzlich erfolgte Ausgrabungen bestätigt wurde, 250.000 Menschen ermordet. Zwei Konvois haben jüdische Franzosen nach Sobibor transportiert: Konvoi Nr. 52 und Konvoi Nr. 53 vom 23. und 25. März 1943. Nur fünf Deportierte haben überlebt. Am 14. Oktober 1943 beginnen 600 Gefangene einen Aufstand, 200 gelingt die Flucht. Nach diesem Aufstand wurde das Lager geschlossen.

Im Jahr 1965 wurde ein Denkmal zur Erinnerung an die Opfer von Sobibor eingeweiht. Seit 1984 erinnert außerdem ein Museum auf dem Gelände des ehemaligen Lagers an das tragische Schicksal der Gefangenen, die in Sobibor inhaftiert waren und ermordet wurden.

www.sobibor-memorial.eu

Treblinka

(cc)Emmanuel Dyan
Treblinka liegt rund hundert Kilometer von Warschau entfernt und war ab Sommer 1941 zunächst ein Zwangsarbeitslager. Erst ein Jahr später wurde es im Rahmen der Aktion Reinhardt zu einem Vernichtungslager. Innerhalb von nur 16 Monaten wurden 900.000 Juden aus Polen, der Tschechoslowakei, Frankreich, Griechenland, Jugoslawien, der UdSSR, Deutschland und Österreich in den Gaskammern ermordet. Mit dem Nahen der Alliierten wurde 1943 der Befehl erteilt, jegliche Spur von Treblinka auszulöschen. Trotz des Abbaus des Lagers und seiner Tarnung durch die NS, konnten Archäologen die Existenz von zwei Gaskammern bestätigen.

Das Museum des Kampfes und des Märtyrertums in Treblinka befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Arbeitslagers (Treblinka I) und Vernichtungslagers (Treblinka II). Zu ihm gehört insbesondere ein symbolischer Friedhof, der aus 17.000 Steinen besteht. Seit Februar 2006 birgt das Museum eine Dauerausstellung über die Geschichte der Anlage.

www.muzeum-treblinka.pl

Lublin-Majdanek

(cc)Lukas Plewnia
Majdanek, der Sitz der Aktion Reinhardt, ist ein Oktober 1941 auf Betreiben Heinrich Himmlers gebautes Konzentrations- und Vernichtungslager. Im Verlauf des Jahres 1942 wurden Krematorien und Gaskammern gebaut, letztere waren bis Herbst 1943 in Betrieb. Das Lager wurde am 17. Juli 1944 geschlossen, zahlreiche Gebäude in Brand gesteckt und die Gefangenen zu einem großen Teil nach Auschwitz verlegt. Dennoch entdeckten die Soldaten der Roten Armee bei ihrem Eintreffen am 23. Juli 1944 die Reste einer Gaskammer und zahlreiche Baracken.
In Majdanek waren 500.000 Menschen aus 50 Ländern inhaftiert. Die Hälfte wurde vor Ort ermordet, darunter auch 118.000 Juden, von denen 18.000 nach der Auflösung des Warschauer Ghettos im Mai 1943 in das Lager gekommen waren.

Das Museum Majdanek wurde im November 1944 am Standort des ehemaligen Lagers gegründet. Im Juli 1969 wurde anlässlich des 25. Jahrestags der Befreiung des Lagers ein Denkmal zur Erinnerung an die Opfer eingeweiht.

www.majdanek.eu/